POPFEST - Mopedrock / Das Trojanische Pferd / 5/8erl in Ehren / Kreisky
Samstag, 28.7. 17:00 // FestivalLive:
# Mopedrock (17:00)
# Das Trojanische Pferd (18:30)
# 5/8erl in Ehren (20:00)
# Kreisky (21:30)
MOPEDROCK
Les autrichiens, das klingt zur ewigen Belustigung der Franzosen genauso wie „die anderen Hunde“, und doch hat es erstaunlicherweise bis letztes Jahr gedauert, ehe endlich jemand einen Popsong daraus gemacht hat. Umso besser, dass sich eine so hervorragende Band wie Mopedrock!! dieser überfälligen Aufgabe angenommen hat. Marlies Schläger, Jakob Ortis, Andi Leikauf und Nicoletta Hernández haben 2011 mit „Vasistas“ wahrscheinlich die beste Platte einer hauptsächlich auf französisch singenden, österreichischen Gitarrenband samt gelegentlich verzerrter Geige überhaupt veröffentlicht – und das liegt nicht nur an der geringen Konkurrenz. Mopedrock!! bewohnen ein alternatives Pop-Universum, in dem ein Jacques Dutronc, ein Michél Polnareff oder eine Francoise Hardy und ihre vereinte, melancholisch bis übermütige, bissig sarkastisch bis herzzerreißende musique yé yé den angloamerikanischen Kanon der Klassiker ersetzen. Wer das für eine weit hergeholte Prämisse hält, kann sich gern Mopedrock!!‘s Spottlied „Le Pétit Nicolas“ über Präsident Sarkozy anhören und einmal schauen, was seither aus dem Ersatz-Napoleon geworden ist. Die subversive Macht dieser Band sollte gerade in diesen unruhigen Zeiten in der Tat niemand unterschätzen. Wie heißt es auf dem der LP-Ausgabe beigelegten Übersetzungsblatts? „Steht auf ihr Verdammten dieser Erde (…) Entschuldigen Sie mich, das fällt mir wieder ein.“ (Excusez-Moi)
DAS TROJANISCHE PFERD
Während Hans Wagner und Hubert Weinheimer sich auf allen erdenklichen musikalischen Spielwiesen dieser Stadt herumtrieben, ließ ihr zweites Album lange auf sich warten. Mehr als drei Jahre nach ihrem Debüt ist „Wut und Disziplin“ heuer endlich erschienen, in seinen Texten so eloquent wie in seinen ambitionierten Arrangements, die alles erfüllen, was man sich von diesen obszön übertalentierten Musikern und ihrem nicht grundlos endlosen FreundInnenkreis erhoffen durfte. Hymnen über Hymnen, von „Nicht Wichtig“ über „Was du nicht alles sagst“ bis hin zum vielsprachig tragischen „Hardcore“, und alles voller präzise gesetzter Zeilen, siehe „Nörgler, Krittler, Feiger Hund“, die ultimative Abrechnung mit dem Wiener Volkssport der Giftspritzerei: „Dein Wissen aus der ersten Hand, das sammelst du im Erdbeerland und bildest Sätze unentwegt mit Worten, die du nicht verstehst. Gesalbt, gekrönt und auserkoren, ein Leben lang auf Tauchstation, dort sitzt du auf dem blinden Fleck und ziehst die anderen in den Dreck. Das ist alles Tarnung, hab ich recht?“ Natürlich hat er recht.
5/8ERL IN EHREN
“Wir können ja nichts dafür, dass es so viel schlechten Pop gibt“, zitierte der Falter im März Max Gaier: „Früher hat es wegen Pop noch Revolutionen gegeben (…) heute steht es für etwas furchtbar Vorhersehbares. Ich finde, das gehört wieder anders definiert!“ Allein dafür gehört der gute Mann schon umarmt und auf die Seebühne des Popfests gestellt. Was noch dazukommt, ist, dass Gaier seines Zeichens neben Bobby Slivovsky einer der beiden Sänger von 5/8erl in Ehr’n ist, die nicht erst mit ihrem heurigen Album „Gut genug für die City“ einen ordentlichen Lauf erwischt haben. Wer ihren Namen und ihren Hang zu Akkordeon und Terzengesang mit Wienerlieder-Brauchtumspflege verwechselt, liegt ganz ganz falsch: 5/8erl in Ehr’n sind vielmehr eine akustische, auf Wienerisch singende, perfekt aber locker groovende und harmonierende Jazz-Soul-Band, musikalisch weit näher an Bill Withers als an Qualtinger und Heller, die sie in einem ihrer Hits besingen. Was schon auch damit zu tun haben könnte, dass dann und wann neben den Achterl und den Melonenschnitten eben auch der eine oder andere „Siasse Tschick“ die Runde macht.
KREISKY
Man sollte es nicht glauben, aber Kreisky waren die erste Band überhaupt, die je für einen Auftritt beim Wiener Popfest angefragt wurde. Allerdings hat der Lauf der Geschicke bisher die Seebühne vor ihrer tödlichen Misanthropie verschont. Dass es beim dritten Version nun doch einmal geklappt hat, lässt jedoch keineswegs auf eine neue Milde im Kreis der missgelaunten Männer rund um Franz Adrian Wenzl schließen. Im Gegenteil: Seit ihrem letztjährigen, wieder einmal zurecht rundum belobhudelten dritten Album „Trouble“ ist schon genug Zeit vergangen, um jeden Anflug falscher Freundlichkeit hinter sich zu lassen. Schauspieler gehen also besser in Deckung, alle anderen sind selber schuld bzw. erkennen frappanten Post-Punk-Rock, wenn er ihnen ins Gesicht fährt. Wenzls Ex wiederum, ob fiktiv oder echt (nämlich die mit der neuen Brille und der neuen Sichtweise, seit sie in „Brüssel“ — so der Name der jüngsten Schallfolie der Band – arbeitet) mag vielleicht auf sommerlichem Heimaturlaub in Wien weilen, wird diesem Popfest-Ereignis aber wohl aus Selbstachtung fern bleiben. Und sobald Kreisky fertig sind, bauen wir die Seebühne ab.
- Volksgarten Pavillon - Tingel Tangel (20:00)
- Passage - Vanity (21:00)
- Platzhirsch - Klub Disko (22:00)
- Sass - Nylon (23:00)
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Volksgarten - Get Whipped
★ ★ ★ OFFICIAL LIFE BALL PARTY &… (23:00) - Brut Künstlerhaus - Club Fiorucci (23:00)
















