Am Sonntag 29.7.2012 im Wien Museum Karlsplatz:
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POPFEST - Looce Lips Sink Ships / Woodpigeon / Squalloscope

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POPFEST - Looce Lips Sink Ships / Woodpigeon / Squalloscope

Sonntag, 29.7. 21:00 // Festival

# Loose Lips Sink Ships
# Woodpigeon
# Squalloscope

LOOSE LIPS SINK SHIPS

Die Figur des/der Singer-SongwriterIn lud immer schon zu egozentrischem Exzess, Nabelschau und Selbstmitleid ein. Umso erfrischender, wenn eine ganze Blase von Singer-SongwriterInnen sich zu einem kopflosen Kollektiv zusammentut und so aus dem solipsistischsten aller Genres ein gemeinschaftliches Werk formt: Meaghan Burke (die letztes Jahr schon mit ihrem Cello im Wien Museum für viel Begeisterung sorgte), Werner Kitzmüller (siehe Project Space), Simon Usaty (von Protestant Work Ethic), Mimu Merz, David Schweighart (Tupolev etc.) und Matthias Frey (Sweet Sweet Moon) begleiten einander nicht bloß, sondern interpretieren gegenseitig die Songs der jeweils anderen. Wie der einem amerikanischen Propaganda-Plakat aus dem Zweiten Weltkrieg entnommene Name des Kollektivs nahe legt, besteht dabei reichlich Raum für spontane Lockerheit.

WOODPIGEON

„For Paolo“ von Mark Andrew Hamilton alias Woodpigeon ist nicht nur der vermutlich einzige englischsprachige Popsong überhaupt, der je das zärtlich gesungene Wort „Schatzi“ enthielt, sondern schlicht gesagt auch eines der schönsten Stücke semi-akustischer Popmusik des bisherigen Jahres. Hamilton kommt aus Calgary, lebt aber nun schon eine Weile in Wien. Wie sein drittes Album „Die Stadtmuzikanten“ vor ein paar Jahren durchblicken ließ, hat das unter anderem mit seinen familiären Wurzeln zu tun. Die Begründung seiner Band-Identität, damals unter dem griffigen Namen „Woodpigeon Divided By Antelope Equals Squirrel“, geht auf einen früheren Europa-Aufenthalt in Edinburgh zurück. Dieser Tage tritt Woodpigeon vor allem solo auf, begleitet nur von Gitarre und einem Loop-Pedal, mit dessen Hilfe er erstaunlich ausgefeilte Harmonien konstruiert und wieder auflöst. Erst Mitte Juni bezeichnete ihn das britische Sonntagsqualitätsblatt The Observer als die größte Entdeckung des heurigen No Direction Home-Festivals. Könnte beim Popfest auch so kommen.

SQUALLOSCOPE

Auf der Website squalloscope.com findet sich eine wunderschöne Fotostrecke zur Entstehung des Albums „Soft Invasions“. Bilder aus Amerika, ein menschenleerer Amtrak-Zug, die Wüste vor dem Fenster. Die leere Leinwand, die die Songwriterin gesucht hatte, um noch einmal von vorn anzufangen. Man kannte Anna Kohlweis als Paper Bird (und hörte sie beim ersten Popfest 2010 auf dem Balkon des Wien Museums singen), und um ehrlich zu sein, ist die Musik, die sie unter ihrem neuen Pseudonym Squalloscope macht, kein radikaler Bruch, sondern eine Verfeinerung und Weiterentwicklung ihrer zusehends komplexen Arrangements und feingestrickten Songs, weit über die stereotypen Strukturen der traditionellen Singer-Songwriterei hinaus. Was übrigens eine rundum gute Sache ist. In ihrem jüngsten Video „Hips & Envelopes“ öffnet Kohlweis die Brust ihrer weißen Alien-Stoff-Puppe und holt ein weißes Stoffherz und andere weiße Stoff-Organe aus ihrem Inneren hervor. Dem Song zufolge hat sie ihr eigenes Herz fünfzig Meilen weit entfernt, jenseits der Grenze in einer Schuhschachtel vergraben. Das sollte sie aber nicht daran hindern, das Popfest 2012 im Wien Museum zu Ende zu bringen.

1040, Karlsplatz, Wien
Web:

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